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Der eine oder andere Rechtsanwalt versteht sich als "Alleskönner". Davon halte ich nichts. Ich habe mich auf Strafrecht spezialisiert, war früher 10 Jahre lang Staatsanwalt und Richter und arbeite seit 1991 als Strafverteidiger.

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Rechtsrat beim Discounter - die Rechtsanwälte im Schaufenster

Damit kein falscher Eindruck entsteht:

Als Student ausgebildet in einer Zeit, in der Anwälte noch wie Spinnen im Netz in vergilbten Kanzleien sassen und gelegentlich die "Gnade" zeigten, einen Rechtssuchenden zu empfangen, der ihnen schüchtern sein Mandat antrug und nach dem Honorar nicht zu fragen wagte, freue ich mich über den Wandel der Zeit. Aus dem schüchternen Mandanten von gestern ist ein aufgeklärter Verbraucher geworden.

Anwälte müssen ihre Dienstleistung inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes "verkaufen", und das ist gut so.

Und ebenso finde ich es im Prinzip gut, dass junge Anwälte bisherige Rituale in Frage stellen und neue Ideen entwickeln, Ihre Dienstleistung zu vermarkten.

 


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Eine scheinbar interessante Überlegung war die Gründung von Franchise-Ketten nach dem Muster der Systemgastronomie. So wie etwa McDonalds seine Hamburger verkauft, werden - man muss inzwischen wohl sagen wurden - von verschiedenen Anbietern (führend in Deutschland war die Fa. Juraxx) zum Billigpreis anwaltliche Dienstleistungen angeboten.

Das ganze auch noch etwas peppig und in Ladenlokalen, wie sie sonst von Reinigungsannahmestellen oder Sonnenstudios genutzt werden. Für den Kunden liest sich das so:

"Der Staat verweigert Dir die Rente? - Lege 20 Euro hin und Du weisst Bescheid." - Oder: "Du willst Dich scheiden lassen? - Für 20 Euro erfährst Du, wie das geht, wir rechnen den Unterhalt aus, besprechen das Sorgerecht für die Kinder, ermitteln den Anspruch auf Zugewinn (Vermögensteilung) u.s.w". ...

So etwas konnte natürlich nicht gutgehen.

Alles Fragen, die ein kompetenter Anwalt zu beantworten hätte.

Glauben Sie wirklich, dass so etwas für wenige Euro seriös zu machen ist? Eine umfassende Scheidungsberatung zum Preis einer besseren Autowäsche?

Oder die sorgfältige Beratung in einer rentenrechtlichen Angelegenheit (mein Gott, um was geht es da für den Mandanten!) zum Preis von zwei Pizzen "auf die Hand"?

Natürlich nicht. Viel mehr als oberflächliches Gerede kann dabei wohl kaum herauskommen.

Und da liegt der Haken an der Sache. Und es stellt sich die Frage, ob diese "Billigheimer" nicht verantwortungslos handeln.

Deshalb bin ich gegen "McLaw" und Co., wie originell das alles auch sein mag.

Übrigens: Einen Anwalt von einem dieser Ramschläden lernte ich 2007 in einem Strafprozess kennen. Er hatte von Strafverteidigung soviel Ahnung wie ich von Atomphysik.

 

 

Die Kritik wegen des einen oder anderen Fehlers der Beratung bei "Billigheimern" wie Juraxx oder wem auch immer will ich gar nicht aufgreifen. Auch in etablierten Kanzleien herkömmlicher Art gibt es ab und zu leider Pannen, das Internet ist voll von Berichten darüber.

Der Unterschied aus meiner Sicht: Bei "Billigheimern" hat der Kunde kaum eine Chance, solide und umfassend beraten zu werden. Bei einem etablierten Anwalt für etwas mehr Geld dagegen schon. Und das macht den Unterschied.

Die Sache hat inzwischen auch ein Ende, wenn auch kein "happy-end": Der Billiganbieter soll pleite sein (2007).

Es konnte keinen Fachmann überraschen: Die "Billigheimer" wie Juraxx und Co. sind nicht überlebensfähig.

Und das ist gut so, wenn man bedenkt, wie unseriös anwaltliche Leistungen angeboten wurden.

Wir lesen, dass 140 Rechtsanwälte einen Jahresumsatz von 6,5 Millionen Euro erzielt haben sollen. Eine insgesamt bedeutende Summe, gewiss. Aber auf den Kopf gerechnet eben nur weniger als 50.000 Euro jährlich pro Anwalt. Und wir reden nicht über Gewinn, sondern Umsatz. Die Kosten bei Anwälten liegen bei 50 %, also kann ein Juraxx-Anwalt nur ca. 25.000 Euro jährlich verdient haben. Das sind etwa 2.000 Euro monatlich vor Abzug von Renten- und Krankenversicherung, und der Rest ist auch noch zu versteuern. Mehr als 1.000 Euro monatlich konnte dann kaum übrig bleiben.

Jede gute Sekretärin verdiente besser als diese Billiganwälte, die im Durchschnitt an der Armutsgrenze gelebt haben müssen.

Nichts dagegen zu sagen, wenn jemand bescheiden ist. Arroganz ist mir fremd. Aber glaubt irgend jemand im Ernst, dass er einen guten - also kompetenten - Anwalt findet, wenn dieser keinen anderen Weg findet als an der Pfändungsfreigrenze sein Leben zu fristen?

Was kann Rechtsberatung wert sein, die für den Preis von zwei Pizzen angeboten wird? - Nicht mehr als zwei Pizzen.