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<Inhaltsverzeichnis>
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Herbert
Rosendorfer
Ballmanns Leiden oder Lehrbuch für
Konkursrecht
(Verlag Nymphenburger Verlagshandlung GmbH
München)
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Die Hauptfigur dieses Romans heißt Ballmann und ist
Vorsitzender Richter am Landgericht. Ballmann ist gerade
50 Jahre alt geworden und beschließt, nicht mehr zum
Dienst zu erscheinen.
Der kurzweilige Juristenroman (auch als Taschenbuch
erhältlich) schildert anschaulich, amüsant und
nachdenkenswert die Verhältnisse bei der Justiz. Der
Verfasser dieser Zeilen erkannte in Rosendorfers Figuren
zahlreiche frühere Kollegen aus der zurückliegenden
Zeit seiner Tätigkeit als Staatsanwalt und Richter
wieder, sah deren Schwächen aufgedeckt und kann diesen
Roman jedenfalls für Juristen als unterhaltsame Lektüre
nur empfehlen.
Schon die Beschreibung der familiären Verhältnisse von
Ballmann fasziniert den Leser.
Ballmanns Frau Babette ist selbst Juristin, hat sich für
die Zeit der Kindererziehung vom Berufsleben
zurückgezogen und übt nunmehr eine Halbtagstätigkeit
bei einem Ballmann bekannten Rechtsanwalt aus. Babette
ist im Laufe der Ehezeit außerordentlich korpulent
geworden, was Ballmann zu der Absicht verlanlaßt, von
dem Ausbau des Dachgeschosses in seinem Reihenhaus zu
träumen, den er mit einem Lehrbuch für das Konkursrecht finanzieren möchte.

... zur Vorseite oder lesen Sie hier weiter, wenn Sie der Beitrag interessiert:
Text Herbert Rosendorfer:
"Vor Jahren schon hatte Doktor Ballmann
verschiedene Anläufe genommen,für sich und seine Frau
getrennte Schlafzimmer einzurichten. Immer, wenn Ballmann
so einen Vorschlag machte, war seine Frau gekränkt, in
einer frommen Art gekränkt, niedergeschlagen, hatte die
Handarbeit in den Schoß sinken lassen und Ballmann mit
feuchten Augen angeschaut, daß Ballmann nicht weiter
hart sein konnte, obwohl nicht einzusehen war, warum
Ballmann und seine Frau in einem Zimmer schlafen
sollten."
Ballmann entwickelte gar wegen des gemeinsamen
Schlafzimmers konkrete gesundheitliche Ängste:
"Warum, sagte sich Ballmann immer wieder, soll
ich mit einer Frau, die so dick geworden ist und in einem
Flanellnachthemd mit Unterhose ins Bett geht, in einem
Zimmer schlafen? Wahrscheinlich ist es sogar ungesund.
Wahrscheinlich reicht der Sauerstoff in so einem kleinen
Schlafzimmer in einem Reihen-Einfamilienhaus für zwei
Personen - von denen eine so dick ist - nicht aus, auch
wenn das Fenster die ganze Nacht offen steht."
Ballmann schildert die Erziehungsprobleme mit seinen
aufmüpfigen größer werdenden Kindern, in die sich
jeder Lesen hineinversetzen kann, der selbst Kinder hat.
Vor allem aber schildert Ballmann (Rosendorfer) Originale
im Bereich der Justiz, wie sie gleich oder ähnlich bei
nahezu allen Gerichten und Staatsanwaltschaften des
Landes anzutreffen sein mögen.
Die verschiedenen Staatsanwalt-Charaktere:
"Feste Dienstzeiten gab es nicht, es
kontrollierte auch kein Mensch. Die
Staatsanwälte....standen ausschließlich unter der
Fuchtel der sogenannten Statistik, das heißt: Am Anfang
des Monats hielt einem der Abteilungschef einen Zettel
unter die Nase, auf dem die Eingänge und Erledigungen
des vorangegangenen Monats vermerkt waren. Der
Oberstaatsanwalt rümpfte die Nase, wenn die Eingänge
die Erledigungen überstiegen. Also sah jeder von allein
darauf, daß er soviel wie mögliche hinausschaufelte,
damit "die Statistik" stimmte. Wann er das
machte, war den Vorgesetzten gleich... . Kein Mensch
achtete im Grunde wirklich auf die Qualität der
Arbeit."
Ballmann ist inzwischen Vorsitzender einer Zivilkammer
des Landgerichts. Jendenfalls Juristen - sicher auch
juristische Laien - werden Heiterkeitsanfälle erleiden,
wenn sie lesen, aus welchen Mitgliedern sich Ballmanns
Kammer zusammensetzt und welche Eigenheiten seine
Besitzer entwickeln.
So etwa der Richter am Landgericht Welisch.
"Welisch war ein fast zwergenhaft winziger Mann,
der seine mangelnde Körpergröße durch eine enorm laute
Stimme kompensierte...Welisch war eine Frohnatur, hielt
sich zu Unrecht für einen guten Juristen und einen, wie
er selber sagte, "großen Macher". Er hatte ein
Frau, die einen Kopf größer war als er und die - obwohl
nicht Juristin - nach Meinung Welischs über erfrischende
und überraschende Rechtseinsichten verfügte. Welisch,
der kaum andere Interessen als seinen Beruf hatte,
erzählte Anni - so hieß Frau Welisch - immer alle seine
Fälle, und Anni wußte immer eine Lösung.Welisch
referierte über Annis Meinungen umschweifig auch in der
Kammerberatung. Er hielt das allen Ernstes für
hilfreich. Selbst in der Sitzung verplapperte er sich ab
und zu, wodurch sich der Einfluß Annis auf Richter
Welisch auch in Anwaltskreisen herumsprach. So kam es
schon vor, daß ein Anwalt bei Anni daheim anrief, seinen
Standpunkt der Sache darlegte und sich davon - vielleicht
nicht zu Unrecht - eine bessere Wirkung versprach als von
einem funkelnden Schriftsatz.."
Ich hatte berichtet, daß Ballmann am Tage nach seinem
50. Geburtstag den Entschluß faßte, nicht mehr zum
Dienst zu erscheinen. Nach 14 Tagen schließlich (!)
wurde Ballmann in das Justizministerium gebeten. Ballmann
- inzwischen jegliche Normen seines Lebens mißachtend -
erschien dort leicht derangiert.
"Ballmanns Hausschuhe waren durchweicht, sein
Mantel tropfte vor Nässe. Als Ballmann von daheim
fortgegangen war, hat er an einem Garderobenhaken eine
durchsichtige, zusammenfaltbare Plastikkapuze...bemerkt,
eine sogenannte Wetterhexe. Die setzte Ballmann auf, nahm
sie auch im Vorzimmer nicht ab. Übrigens war Ballmann
schwarz gefahren."
Als der Ministerialbeamte Ballmann gegenüber
vorwurfsvoll feststellte, daß dieser seit zwei Wochen
unentschuldigte nicht zum Dienst erschienen war,
begegnete Ballmann mit der Frage: "Glauben Sie an
Gott?"
Darauß entspann sich ein Dialog dialektischer Brillianz,
dessen Punktsieger sicher Ballmann geblieben ist. Im
Zusammenhang mit der Rückfahrt per U-Bahn (ebenso ohne
Fahrkarte wie auf dem Hinweg) geschehen zwei wichtige
Dinge für Ballmann:
Zum einen lernt er Burschi kennen, einen interessanten
Stadtstreicher, der sich für einen Kelten hält. Zum
anderen wird Ballmann - gemeinsam mit Burschi -
festgenommen, weil er keinen Fahrausweis vorzeigen kann
und die Feststellung seiner Personalien verweigert.
Gefragt, wer oder was er ist, sagt er, er sei Richter. Im
Schnellgericht wird daraufhin die Sache gegen Richter
(alias Ballmann) aufgerufen und verhandelt. Auch die
Schilderung des Ganges bei dem Schnellgericht ist
brilliant. Auf die Darstellung soll hier verzichtet
werden, weil dem Leser die Spannung genommen würde.
Im folgenden verläßt der Roman zu meinem größten
Bedauern das Juristenmilieu. Nicht, daß der Roman im
letzten Teil Schwächen hätte, aber als Jurist hätte
ich von Ballmann, seinen Kollegen und Mitarbeitern gern
noch vielmehr gelesen.
Faszit: Ein aus meiner Sicht äußerst lesenswerter
Roman, den aus meiner Sicht zumindest jeder Jurist kennen
und mit großer Freude lesen sollte.
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Der Autor Herbert
Rosendorfer ist im Jahre 1934 geboren worden und war nach früherer
Tätigkeit als Staatsanwalt seit 1969 in München als Richter tätig.
Er wusste also, wovon er schrieb, auch wenn er inzwischen
pensioniert war und literarische Interessen ausserhalb
des Juristenmilieus verfolgte. - Wir haben miteinander korrespondiert, leider liess er sich nicht dazu bewegen, Ballmanns weiteren beruflichen Weg literarisch zu bearbeiten, sondern meinte, ich solle das tun. - Herr Rosendorfer, danke dafür, dass Sie mir Ihren Ballmann "schenken" wollten! Aber es war und bleibt "Ihr" Ballmann.
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