. .Vorträge in Rumänien (2003 - 2007))
... zur Vorseite oder lesen Sie unten weiter, wenn Sie der Beitrag interessiert:
Einige Erlebnisse in Rumänien (2003 - 2007): Unweit des Hotels Lido in Bukarest hüpft mir in den Jahren 2004 und 2005 wiederholt ein bettelnder Junge ohne Beine entgegen, der Unterkörper steckt in einem abgeschnittenen Ball, an den Händen trägt er Holzklötze, mit denen er sich vorwärts bewegt. Mein Entschluss: Von den Spenden bei meinem nächsten Fest kaufe ich ihm einen Rollstuhl. Ein rumänischer Freund zu mir: "Bist Du wahnsinnig, von dem Mitleid mit ihm lebt eine ganze Familie, willst Du sie hungern lassen?" Vom ungarischen Flughafen Budapest zur Universität Oradea hinter der rumänischen Grenze sind es 230 Strassenkilometer. Ich schliddere 2005 an einem winterlichen Wochenende über vereiste Strassen vorbei an Autos, die in den Graben gerutscht sind, an Frauen, die sich fern jeder Ansiedlung frierend am Strassenrand anbieten, und an Kneipen, deren Besuch nicht lohnt. Dann ist man froh, nach vier Stunden anstrengender Fahrt im Gästehaus der Uni anzukommen, wie einfach das Zimmer auch sein mag. Beim Überqueren einer Strasse werde ich im Zentrum Bukarests im Sommer 2005 von einem Auto angefahren, das plötzlich zurücksetzt. Der Anzug ist ruiniert, paar Prellungen und Schürfwunden, viel mehr ist nicht passiert. Glück gehabt, wenn ich an das rumänische Krankenhaus denke, das ich auf diese Weise kennengelernt habe. Sehr nettes Personal, aber derzeit keine Tetanus-Spritzen vorrätig. Ich flog dafür nach Wien, der einfache Rumäne kann das nicht. Bei einem Flug von München nach Bukarest treffe ich 2006 einen Bekannten aus Düsseldorf. Er wird am Flughafen Otopeni abgeholt und bietet an, mich im Hotel abzusetzen. Auf diese Weise durfte ich einmal in einem Maybach sitzen, davon soll es in Bukarest fünf Stück geben (in Düsseldorf meines Wissens keinen einzigen). Nach einem Porsche Cayenne dreht sich in Bukarest niemand mehr um. Die gibt es dort wie Sand am Meer. Cluj (Klausenburg). Ein Student holt mich im März 2006 am Flughafen ab und fährt mich zur Universität. Er hat einen 40 Jahre alten Renault, meinen Koffer habe ich auf den Knien, der Wagen ist mit Ersatzgetriebe, Motorteilen und Werkzeug vollgestopft. Nach meinem Vortrag und dem Empfang mit Würdenträgern der Uni geht es zum Hotel. Die Dusche ist derart ekelerregend, dass ich sie vor Benutzung mit dem Badetuch auslege. Dem einzigen ... also der luftgetrocknete Anwalt. Die Diskothek "Bambou" in Bukarest verlangt im Jahre 2006 umgerechnet 50 Euro Eintritt, den Wochenverdienst eines Arbeiters. Sie ist so gut besucht, dass man ohne Reservierung kaum eine Chance hat, eingelassen zu werden. Getränke kosten extra (ab 10 Euro). Wer ist dort? Junge gutaussehende Frauen, die Ihr Glück suchen, und Männer jeden Alters mit praller Brieftasche und einem teuren Auto vor der Tür. In der Nähe der Wohnung eines Freundes in Bukarest sitzt im Winter 2006 (und der ist dort kalt) ein kleines Mädchen in einem Nachthemd am Strassenrand und zittert erbärmlich vor Kälte. Ich habe ihr aus Mitleid meinen wenn auch viel zu grossen Mantel gegeben. Ein paar Tage später sah ich sie dort wieder im Nachthemd. Mein Bekannter: "Ist doch klar, Deinen Mantel haben ihr die Eltern abgenommen und verkauft". Wieder einige Tage in Oradea. Gespräche mit Angehörigen der Uni, Treffen mit rumänischen Kollegen, Begegnungen mit deutschen Investoren, die in Rumänien ihr Glück suchen und sich beraten lassen. Weite Felder, die ich als Strafrechtler allein nicht abdecken kann. Ich empfehle einem der Investoren für sein spezielles Problem Rechtsanwalt Dr. Stalfort in Bukarest. Der Mandant meint verärgert, ich wäre mir wohl zu fein für seinen Fall. Er hat nicht verstanden, dass ich nur sein Bestes will. Spezialisten leisten nun einmal mehr, ich in meinem Bereich, andere in ihrem. Wir gehen von meinem Bukarester Stammlokal (IO-Cafe) im Sommer 2007 in eine edle Bar, der dort angesagteste Modeschöpfer hat eingeladen und lässt es an nichts fehlen. Unterwegs schliessen sich uns immer mehr offenbar herrenlose Hunde an, die Meute wird immer grösser und scheinbar angriffslustig. Eine dort lebende Bekannte: "Du brauchst keine Angst zu haben, tu einfach so, als wenn Du einen Stein aufhebst". Ich bücke mich, und tatsächlich: Die Hunde laufen weg. Wie oft müssen sie schon mit Steinen beworfen worden sein. Was ich mit diesen Notizen sagen will: Bittere Armut auf der einen und Wohlstand auf der anderen Seite, daneben noch eine Goldgräberstimmung ausländischer Investoren, es gibt viel zu tun, wer dieses liebenswerte Land mag wird mithelfen, dass es künftig besser wird. - Ich bin dabei.
|