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<Inhaltsverzeichnis>
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In Spanien im Gefängnis
Soto
del Real und Valdemoro - Gefängnisse bei Madrid
Soto del
Real - etwa 40 Kilometer nördlich von Madrid - und Valdemoro - etwa 30 Kilometer südlich der Innenstadt - gelegen. Hier wird man als Deutscher in aller Regel untergebracht, bevor über die Auslieferung oder Überstellung nach Deutschland entschieden wird.
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Ein deutscher Staatsbürger, der aus Spanien nach Deutschland ausgeliefert oder überstellt werden soll, wird meist zunächst nach Soto del Real verbracht, einige Mandanten habe ich aber auch schon in Valdemoro besuchen müssen.
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(Gefängnis Soto
del Real)
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Das Gefängnis in Soto wurde Mitte der 90-iger Jahre gebaut und war ursprünglich für 1.000 Gefangene geplant. Inzwischen ist es - wie viele Knäste im Ausland - weit überbelegt. Ein spanischer Kollege berichtete mir bei einem Besuch in der Haftanstalt im Dezember 2004, inzwischen seien dort etwa 1.800 Gefangene beiderlei Geschlechts untergebracht.
Das Gefängnis in Valdemoro sieht baulich so ähnlich aus wie Soto del Real, ist aber wesentlich kleiner. Soto liegt in einer tristen Gewerbezone, Valdemoro noch einsamer.
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(Soto im Norden)
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Es ist nahezu überall auf der Welt streng verboten, in Haftanstalten zu fotografieren. Auch ausserhalb werden Kameras meist nicht gern gesehen. Hier drei von mir diskret gemachte Fotos der Haftanstalt Soto del Real
(klick hier),
damit Sie wenigstens einen Eindruck haben, wo
sich Ihr Partner, Ihr Verwandter oder Ihr Freund
aufhält.
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Im Rahmen meiner Beiträge zu deutscher Strafverfolgung mit Auslandsbezug möchte ich beispielhaft über die Haftanstalt Soto del Real berichten, denn zum einen liegt sie in Europa und viele Deutsche leben nun einmal in Spanien, könnten also im Falle deutscher Strafverfolgung in eben diesem Knast Soto del Real (oder - nicht besser - Valdemoro) landen.
Zum anderen ärgerte mich ein mir zugespielter Pressebericht unbekannter Herkunft, der Soto nahezu als Freizeiteinrichtung darstellt. Nach etlichen Besuchen deutscher Mandanten in Soto del Real ist insoweit einiges richtig zu stellen. Lesen Sie zunächst den angeblich authentischen Bericht, dessen Verfasser/in mir unbekannt ist:
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"Strafvollzug
mit Siesta, Salsa und eigener Scheckkarte
Madrid - Um den Tisch sitzen vier junge Männer
in Jeansjacken und Wollpullis beim Kartenspiel.
Die Zigaretten qualmen im Aschenbecher, in der
Ecke steht ein Kicker-Tisch. Über der
Tischtennis-Platte dudelt der Fernseher, MTV.
Keine Kneipe, auch nicht die Kantine eines
Schullandheims. Die Szene spielt in Modul 7 der
Strafvollzugsanstalt "Madrid V, Soto del
Real". Zwischen saftigen Weiden, wo die
iberischen Kampfstiere gezüchtet werden, im
Norden der spanischen Hauptstadt liegt das
Großgefängnis, in dem auch alle ausländischen
Straffälligen in Spanien zuerst landen.
Wären da nicht die grauen Betonmauern, die
gelben Stangen vor den Fenstern, die Eisentüren
und der 56 Meter hohe Wachturm, dessen Kameras
auch den letzten Winkel beobachten, würde das
Gefängnis nicht gerade freiheitsberaubend
erscheinen. Zivilkleidung statt
Häftlingsuniformen, Studenten und junge Mütter
statt tätowierten Kraftprotzen. Im Gymnastikraum
von Modul 7 recken sich drei Insassen zu
Salsa-Klängen aus einem Radio. Nebenan steht
einer vor seiner Staffelei (Paris mit Eiffelturm)
- ein Maler, der seine künstlerische Entwicklung
durch den Vollzug nicht beeinträchtigt wissen
will. Andere "Interne", wie die
Häftlinge dezent genannt werden, sitzen vor
Computern. In der kleinen Bibliothek hängen
Anschläge von Diskussionszirkeln zu Themen wie
"Drogen und Kultur", "Das indische
Kastensystem" oder "Wie nähere ich
mich der Kunst des 20. Jahrhunderts?".
In Modul 10 für die straffälligen Mütter geht
es noch bunter zu. Ein fröhliches Durcheinander
hüpfender Kinder, dazu Plastikspielzeug im Hof.
Die Wände sind mit meterhohen Garfield- und
Mickey-Mouse-Figuren verziert, die auf einen der
ersten Insassen von Soto del Real, einen Maler,
zurückgehen. Die Mütter - überwiegend aus
Lateinamerika - dürfen ihre Kleinen bis zu deren
dritten Geburtstag bei sich haben. "Wir
nehmen aber auch schon verurteilte Schwangere in
den Mütter-Trakt", sagt die Aufseherin.
Damit die Frauen ihrer Ausbildung nachgehen
können, ist auch ein Kindergarten angeschlossen.
"Wir funktionieren wie eine richtige
Stadt", sagt Sicherheitschef Juan.
"Waschen, Putzen, Gartenarbeit - alles wird
von den Häftlingen selbst gemacht", sagt
er. Zwei Unternehmen lassen ihre Ware im
Gefängnis anfertigen, ein Hersteller von
Klimaanlagen und eine Textilfirma.
Keine Frage: Soto del Real, wo 1500
der insgesamt 45 000 Häftlinge im Königreich
einsitzen, dürfte eines der angenehmeren
Gefängnisse auf dem Globus sein. Am Nachmittag
wird eine Siesta gewährt, das Licht schaltet
jeder Insasse nachts selbst aus. Obwohl die
Zellen Doppelbetten haben, sind alle Internen
einzeln untergebracht. Es gibt sogar
Begegnungsmöglichkeiten für die rund 70
inhaftierten Paare. Die rund 1130 Männer und 370
Frauen bekommen pro Woche eine Scheckkarte mit
bis zu 100 Mark Kredit von ihrem privaten Konto,
um damit bei den gefängniseigenen Kiosks
einzukaufen.
Damit ist Soto del Real, das 1995 in Betrieb
ging, der Prototyp einer ganzen
Gefängnis-Generation in Spanien, die 1991 in
Auftrag gegeben wurde. "Wir haben die
unterschiedlichsten Häftlinge", sagt
Direktor Feliciano Crelgo. "Alle Delikte,
alle Strafmaße - ein typischer Spiegel der
hiesigen Kriminalitätsstatistik." So sitzen
auch 40 Eta-Terroristen mit Höchststrafen von
bis zu 30 Jahren ein, freilich in einem
Hochsicherheitstrakt, den kein Besucher betreten
darf. "Die überwiegenden Delikte sind aber
Verstoß gegen das Eigentumsrecht und die
öffentliche Gesundheit", sagt Crelgo, also:
Diebstahl und Drogenhandel.
Auch die Deutschen in Soto del Real, 15 von
rund 900 Ausländern, sitzen vor allem wegen
Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Zwei von ihnen, die hochgewachsene blonde Simone
und die kleinere Silvia mit den hellbraunen
Haaren, sind gerade mit der Putztruppe im
Kulturzentrum unterwegs. Als sie hören, dass ein
deutscher Journalist zu Besuch ist, sprudelt es
aus ihnen heraus: "Das Essen ist furchtbar
und die medizinische Versorgung unter aller
Kanone", schimpfen die beiden, seit drei
Monaten in Soto del Real. Weil sie kein Spanisch
könnten, sei die Kommunikation fast unmöglich
und die deutsche Botschaft kümmere sich zu wenig
um sie, so ihre Vorwürfe. Neun Jahre Strafe, das
macht nach spanischem Recht bis zu fünf Jahre
Haft, haben sie für einen Kokaintransport aus
Honduras bekommen.
Dass diese Zeit in Soto del Real möglicherweise
angenehmer vergeht als in manchem deutschen
Gefängnis, beruhigt sie nicht. "Wir sind
isoliert, denn unsere Familien können sich eine
Reise nach Madrid kaum leisten", sagen sie.
"Hoffentlich werden wir nach Deutschland
verlegt", sagt Simone. "Das ist unser
größter Wunsch."
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Die Wahrheit über die Gefängnisse Soto del Real und Valdemoro sieht anders aus:
Zunächst hängt es auch von der Jahreszeit ab, wie man diese Knäste erlebt. Im Frühling und Herbst klimatisch recht angenehm ist der Aufenthalt in diesen noch dazu stark überbelegten Gefängnissen bei Hitze im Sommer oder Kälte im Winter (auch im Raum Madrid gibt es im Winter niedrige Temparaturen) oft eine Qual.
Wer nicht spanisch spricht, wird es im Umgang mit den Beamten in diesen Knästen sehr schwer haben. Nur die wenigsten Aufseher sprechen wenige Worte englisch. Das ist übrigens in spanischen Hotels ausserhalb der Touristengebiete nach meiner Erfahrung so ähnlich, Ich kann nahezu jeden unter 30-jährigen etwa in Bukarest englisch ansprechen und mich mit ihm verständigen, versuchen Sie dasselbe einmal bei einem Liftboy oder Türsteher in einem Hotel in Madrid. Sie werden Ihr blaues Wunder erleben. Noch schlimmer ist es in den Gefängnissen, wer nicht selbst spanisch spricht, kommt nicht weiter.
Die Verpflegung wird von meinen bisherigen Mandanten, die ich in der Haftanstalt Soto besucht habe, als schlecht und teilweise ungeniessbar bezeichnet. Da dieselben Mandanten nach einer Auslieferung oder Überstellung nach Deutschland dort nicht über die Verpflegung geklagt haben, halte ich die Kritik für berechtigt.
Auch die medizinische Betreuung in der Haftanstalt Soto del Real wird überwiegend kritisiert, weil angeblich gar nicht vorhanden. Wer dort einsitzt, sollte also möglichst kerngesund sein, aber wer sucht sich das schon aus.
Es wäre noch weit mehr anzuführen, beispielsweise die Willkür im Umgang mit Besuchern. Ich selbst hatte zwar nie Probleme, meine Mandanten in diesen Gefängnissen zu besuchen, habe aber mehrfach mitbekommen, wie Kollegen aus dem Ausland grundlos abgewiesen wurden. Teilweise endet auch ein Anwaltsbesuch - auch die Verteidiger dürfen Ihre Klienten nur duch eine Glasscheibe mittels Telefon sprechen - damit, dass das Telefon plötzlich ausfällt (oder abgeschaltet wird?) und man sich nur noch anschauen, aber nicht mehr verständigen kann. In Valdemoro gibt es in der Tischplatte lediglich Sprechschlitze, was den Anwalt auf der einen und den inhaftierten Mandanten auf der anderen Seite der Trennscheibe bei einem Besuch im Juli 2006 dazu zwang, den Kopf auf den Tisch zu legen und das Ohr gegen die Öffnung zu pressen, um sein Gegenüber halbwegs zu verstehen. Ein unwürdiger Zustand. Selbst die Aushändigung von wichtigen Verteidigungsunterlagen oder etwa einer Vollmacht für den Verteidiger scheint im Belieben des jeweiligen Beamten zu stehen. Mal werden die Unterlagen von Beamten weitergereicht, ein anderes mal wiederum nicht. Gelegentlich durften spanische Anwälte, aber auch ich, dem Mandanten noch nicht einmal die Visikartenkarte zukommen lassen. Man presst sie dann gegen die verschmutzte Glasscheibe und der Mandant macht sich eilige Notizen.
Soto del Real oder Valdemoro als Ferienlager? Sicher nicht. Vielmehr: Knäste, die deutschen Mindeststandards nicht entsprechen.

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